Du kennst den Tipp: "Denk einfach an etwas Unsexy, wenn es kritisch wird." Oma beim Stricken? Matheaufgaben? Baseball? Vergiss es.
Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio Praecox) ist das vielleicht frustrierendste Problem im Schlafzimmer. Du willst genießen, aber dein Körper drückt den "Fast Forward"-Knopf. Die gut gemeinten Ratschläge von Freunden oder aus Internetforen sorgen oft für noch mehr Frust.
Wir erklären dir, warum Ablenkung nicht funktioniert – und wie du die Uhr biologisch zurückdrehst.
Mythos 1: "Es ist alles nur Kopfsache"
Falsch. Zwar spielt Aufregung eine Rolle, aber Forscher wissen heute: Der Zeitpunkt des Samenergusses ist stark neurobiologisch gesteuert. Es geht um Botenstoffe in deinem Gehirn, genauer gesagt um Serotonin. Männer, die "zu früh" kommen, haben oft einen niedrigeren Serotoninspiegel in den Nervenzentren, die den Ejakulationsreflex steuern. Das Signal "Feuern!" wird zu schnell weitergeleitet.
Da kannst du noch so sehr an Matheaufgaben denken – gegen deine Neurochemie gewinnst du den Kampf selten durch Willenskraft allein.
Mythos 2: "Ein Gläschen Alkohol zur Entspannung"
Alkohol betäubt zwar und kann die Zeit tatsächlich leicht verlängern, aber er ist ein zweischneidiges Schwert. Er verringert oft die Härte der Erektion und das Gefühl. Du tauschst also "zu schnell" gegen "zu schlaff" oder "gefühllos". Keine gute Lösung für guten Sex.
Mythos 3: "Übung macht den Meister"
Die sogenannte "Start-Stop-Technik" (kurz vor dem Höhepunkt aufhören, warten, weitermachen) wird oft empfohlen. Sie kann helfen, den Körper besser kennenzulernen. Aber: Im Eifer des Gefechts ist sie oft ein Stimmungskiller ("Schatz, warte mal kurz 30 Sekunden!"). Zudem erfordert sie monatelanges Training für oft nur minimale Gewinne.
Was wirklich hilft: Die Chemie anpassen
Wenn das Problem biologisch ist (Serotonin), sollte auch die Lösung dort ansetzen.
Die moderne Medizin nutzt Wirkstoffe wie Dapoxetin (ein SSRI), die speziell für dieses Problem zugelassen sind.
Wie es funktioniert: Es erhöht kurzzeitig die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt.
Der Effekt: Das Signal zum Samenerguss wird verzögert. Du gewinnst die Kontrolle zurück.
Der Vorteil: Du nimmst es nur bei Bedarf, ca. 1 bis 3 Stunden vor dem Sex. Es ist keine Dauertherapie nötig.
Studien zeigen, dass sich die Zeit bis zum Samenerguss dadurch oft verdreifachen lässt.
Fazit: Technik ist gut, Biologie ist besser
Es ist keine Schande, wenn deine Reflexe schneller sind als du willst. Es ist einfach deine Biologie. Aber du musst dich nicht damit abfinden. Statt dich mit Ablenkungsmanövern zu quälen, die dir den Spaß am Sex nehmen, kannst du das Problem an der Wurzel packen.
Hol dir die Kontrolle zurück. Diskret und medizinisch fundiert.